Praktikumsbericht 2009 aus Taganrog

Heute um 13:05 deutscher Zeit startet der Flug SU122 der Russischen Fluggesellschaft Aeroflot vom Münchner Airport Terminal 1 in Richtung Osten - zumindest soll er das!

Mit an Bord sind zwei hoch motivierte und abenteuerlustige Scheinerschüler der 11. Klasse, Helene Müller und Linus Dietz...
Der Plan ist folgender:
Nach ca. drei Stunden Flug Landung in Moskau Sheremetyevo und Treffen mit Helenes Onkel. Weitere vier Stunden später Abflug gen Rostov, wo wir, wenn alles nach Plan läuft, um Mitternacht landen werden. Dort wartet Людмила А. Свешникова mit einem "TAGANROG" Schild auf uns.
Bis zu diesem Punkt ist alles streng nach der deutschen Mentalität durchgeplant. Alles was danach, d.h. die nächsten drei Wochen, folgt, ist neu, ungewohnt und wird uns mit Sicherheit ein Höchstmaß an Anpassungsfähigkeit und Flexibilität abverlangen.


>> Wird diese Reise in einen der letzten Winkel Europas (Taganrog ist ca. 120km von der Manytsch-Niederung entfernt, die als Grenze zwischen Europa und Asien gilt) reibungslos verlaufen?

>> Welche Komplikationen oder Probleme können vor Ort auftreten?

>> Wie steht es mit der Finanzkrise in Russland? Wie funktioniert die Zusammenarbeit in der "Industrie und Handelskammer der Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres"?

>> Welche Betriebe werden wir besichtigen können? Können wir dort wirklich Einblicke in den Arbeitsprozess gewinnen?


Fragen über Fragen, auf die wir jetzt noch keine Antworten geben können. Wir werden jedoch alles daran setzen, sie im Laufe der nächsten drei Wochen zu beantworten.
The plan ist following:
Today at 01:05 PM CET the flight SU122 of Aeroflot takes off from Terminal 1 of Munich Airport towards east. On board are two highly motivated and adventurous students from the 11th grade of the "Scheiner": Helene Müller & Linus Dietz. After a flight of about three hours the plane will land in Moscow, Sheremetyevo and they will meet Helene's uncle. Four hours later the next plane will take us to Rostov, where we'll arrive at about midnight and get picked up by Людмила А. Свешникова. Until this point of time everything has been arranged in the way Germans used to plan their events. Everything that will be following will be new for us, so we have to get used to it, which surely will demand a great amount of adaptability and flexibility from us.

"Will the Journey to the last corner of Europe (Taganrog is about 120km away from the Manych Depression, which is rated as the natural border between Europe and Asia) run smoothly?

Which kind of problems can occur in the foreign country?

What about the financial crisis in Russia? How do the different neighbouring countries of the " Black Sea Chamber of Industry and Commerce" cooperate?

Which companies are we going to visit?"

These are the questions we cannot answer yet, but we will do our best to answer them all within the next three weeks.
Und das war unsere Wirklichkeit.... am 29.&30. Mai
Kaum waren wir trotz leichten Staus auf der Autobahn pünktlich angekommen, kam schon die Meldung, dass unser Flug sich um eine Stunde verspäten würde und wir ca. um 14:00 Uhr abfliegen sollten. Unsere Eltern verabschiedeten sich trotzdem schon mal und so standen wir vor den Check-In-Schaltern und warteten darauf, dass die netten Damen in den blauen Uniformen kommen und unser Gepäck einchecken würden. Doch nichts dergleichen geschah und die Zeit wurde allmählich lang... Irgendwann wurde es höchste Zeit und tatsächlich kam ein Aeroflot-Mitarbeiter, der uns jedoch nicht eincheckte, sondern Essensgutscheine verteilte, damit man den Flughafenaufenthalt bis zum Abflug um 17:00 hungertechnisch überlebte. Da wir davor schon gegessen hatten, verzichteten wir jedoch auf dieses Angebot. Darüber hinaus wurden wir, falls der Flieger SU 122 um 17:00 Uhr gecancelt werden sollte, vorsorglich auf den Flug SU 124 um 23:20 Uhr umgebucht, jedoch mit der Versicherung, dass wir, sollte der Flug doch starten, auf jeden Fall eine Bordkarte bekommen würden. Mittlerweile wurde uns auch gesagt, dass der Flieger einen Materialdefekt hätte und im Terminal I von den Lufthansatechnikern verarztet werden würde.

Kurzerhand gingen wir spazieren. Als wir jedoch um 16:00 Uhr wieder auf eine Informationstafel blickten, war der Abflug um weitere drei Stunden nach hinten, auf 20:00 Uhr, verschoben worden. Die nächste Zeit verbrachten wir sitzend vor dem Aeroflot-Informationsschalter, telefonierend und SMS schreibend. Als dann irgendwann gegen 18:45 die Meldung kam, dass das Ersatzteil aus Toulouse den Flieger verpasst hatte und dass der nächst möglichste Abflugtermin 22:00 Uhr sei, ließen wir uns trotz vollem Magen einen Essensgutschein über 30.- € geben. Nach 45 Minuten sorgfältiger Auswahl des geeigneten Restaurants und Essens bestellten wir uns beide total überteuerte Salate im „Airbräu“, von denen wir trotz übermäßig langsamen Essens nur ¾ (ich) und ½ (Helene) schafften. Dass der Einbau des Ersatzteils den Abflug um eine letzte Stunde verzögerte, war uns dann auch egal. Am Schluss flogen wir mit dem zu 1000% einsatzbereiten Flieger um 23:20 Uhr ab.
And that was our reality... May 29 & 30
Although a light traffic jam on the freeway from Ingolstadt to Munich we were on time, but then a message arrived, that our flight is delayed for one hour. Our parents said goodbye already, so we were waiting to check in. But nothing happened as the time went by... Then an Aeroflot worker came, but unfortionally he did not check us in, he distributed meal vouchers, because the flight was delayed by another three hours. Since we had already eaten we passed this offer. Furthermore our booking was changed to the flight SU 124 at 23:20, because the Flight SU 122 was canceled. They ensured us that if our flight would start, we could fly with this one, too. Meanwhile we were also told, that the plane had a material failure and is repaired at Terminal II by the Lufthansa technicians. We went for a walk, then we looked on the screens at 16:50. We noticed that the new departure time was 8 pm. The next few hours we spend sitting in front of the Aeroflot counter, telephoning, reading and writing SMS. At about 18:45 we were told that the replacement for the plane missed its flight, and the next possible departure is at 10 pm, we asked for a voucher, although we were replete. After 45 minutes carefully selecting the best restaurant we decided to eat two ablsolutely overpriced salads, we could barely eat. The fact, that the flight was delayed for another other hour, didnt bother us, we took the 100% safe flight at 23:20.
Zehn Stunden und 15 Minuten später als geplant.
Der Flug selbst ging, genauso wie die Passkontrolle und das Kofferholen, zügig vonstatten, und dass Helenes Onkel uns ins Inlandsterminal fahren ließ, tat der Stimmung auch gut.

Nach einer verschwindend kurzen Wartezeit von ca. 3,5 Stunden checkten wir im Flug SU 607 gen Rostov ein. Beziehungsweise wir versuchten es. Da wir so genannte „eTickets“ hatten, (d.h. man checkt nur mit seinem Ausweis und einem 6-stelligen alphanumerischen Code ein), ging irgendetwas bei der Kommunikation beim Umbuchen zwischen München und der Moskauer Fluglinienverwaltung schief. In deren Datenbank stand nämlich, dass wir den anfangs angepeilten Anschlussflug nicht wahrgenommen hätten, und, wie das so ist in der Computerwelt, kann der kleine Beamte nicht spontan dem System verklickern, dass wir umgebucht worden sind, nein, es benötigt vier (!) Mitarbeiterinnen und eine höhere Repräsentantin von Aeroflot gleichzeitig an einem Computer, um uns halb handschriftlich ausgefertigte Tickets auszustellen, die uns dann nach Rostov befördert haben. Solch einen Anblick bekommt man wahrhaft selten geboten.


Die Abholung klappte, doch dann haben wir den Rest des Tages entsprechend langsam angehen lassen: Nach 80 Minuten Fahrt von Rostow nach Taganrog haben wir erstmal ausgepackt, die Zimmer bezogen, die Infrastruktur im Haus des Instituts eingerichtet (Herd, warmes Wasser, Internet...). Danach sind wir noch etwas zum Abendessen und Frühstück einkaufen gegangen, haben gegessen und uns ausgeruht. Nach fast 30 Stunden ohne Bett kommt dann doch langsam die Müdigkeit auf.
Ten hours and 15 minutes later as originally planned.
The flight itself went allright and and quickly, aswell the passport control and fetching the suitcases. The fact that Helene's Uncle picked us up and drove us to the national terminal was good for the mood.
After a very "short" waiting time of 3,5 hours, we checked in to the flight SU 607 to Rostov. Or rather we tried. Since we had so called eTickets something went wrong with the communication between Munich and Moscow according the rebooking, so the woman at the counter couldnt hand us out our boardcard. We needed 3 more officials and one higher ranked representant of the airline at computer and at the same time to get our half handwritten tickets. Such a fascinating sight is you wont get often!

For the rest of the day we didn't do much: We drove in 80 minutes from Rostov to Taganrog, then we unpacked and set up the infrastructure of our house (stove, warm water, gas, internet). After this was done we bought something to eat for dinner and breakfast. Then we went to bed. After 30 hours without any sleep tiredness came up..
31. Mai: Akklimatisieren und Helenes Geburtstag
Nach dem langen Ausruhen gestern ließen wir es heute weiterhin langsam angehen. Um 9 Uhr trafen wir uns mit Ludmila Alexeevna um daraufhin auf dem Markt Geld zu wechseln und einzukaufen. Taganrog hat einen sehr großen Markt, mit vielen Ständen, Einkaufshallen und kleinen „Kiosken“. Nachdem wir mit Hilfe von Ludmila das Nötigste eingekauft hatten, gingen wir wieder zum Institut und kochten uns Nudeln mit Tomaten-Knoblauch-Sauce und Tomatensalat.

Um 14 Uhr kam Stas (22). Stas ist die Kurzform für Stanislav. Er ist Aspirant für die Wirtschaftsfakultät der Uni. Stas führte uns durch den Hafen und durch den für uns noch unbekannten Teil der Innenstadt. Mit der Zeit stießen immer mehr seiner Freunde zu uns, sodass wir, als wir im Stadtpark angekommen waren schon zu sechst waren: Helene, Stas, Nadja, Kolja, Roman und ich. Nach kurzem Zwischenstopp daheim trafen wir uns bei Roman und feierten Helenes Geburtstag. Er wohnt in einem wunderschönen Haus am Südhang mit tollem Blick aufs Asowsche Meer. Da wir zu dem Zeitpunkt noch keine Informationen hatten, wann wir am nächsten Tag aufstehen mussten, fuhren wir zeitig heim und ließen den Tag langsam ausklingen.
31th May: Acclimatisation and Helene's Birthday
After some rest yesterday, we took things slowly today. At 9 am we met Ludmila Alexeevna and went to the market to change money and we went shopping. Tagarog has a big market, with many stands, market halls and small kiosks. After buying most the necessary goods with Ludmila's help, we cooked us pasta with tomato – garlic sauce and a tomato – onion salad.
At 2 pm Stas (22) came to us. „Stas“ it the short form of Stanislav and he's an aspirant for the Economic Faculty of the university. He showed us the harbour and for us the unknown parts of the inner-city. During the trip we met some of his friends, and then reached the urban park we were six: Helene, Stas, Nadja. Kolja, Roman and me. After a short break at home, we met again at Roman's and celebrated Helene's birthday. He lives in a beautilful house at the hillside with a fantastic seaview. Since we didn't know what was waiting for us tomorrow, we drove back early and let the day fade out slightly.